STRUDENGAU. Nicht nur bei den Temperaturen erleben wir derzeit außergewöhnliche Verhältnisse. Auch beim Niederschlag entwickelt sich das Jahr 2026 immer mehr zu einem Extremjahr. In Pabneukirchen ist seit Jahresbeginn so wenig Niederschlag gefallen wie noch nie zuvor im vergleichbaren Zeitraum seit Beginn der Messungen. Die Folgen der monatelangen Trockenheit sind mittlerweile in der gesamten Region deutlich sichtbar.
Mehr als 300 Liter Niederschlag fehlen bereits
Von Jänner bis zum jetzigen Zeitpunkt wurden an der Wetterstation Pabneukirchen lediglich 272,6 Millimeter Niederschlag gemessen. Im langjährigen Mittel wären bis jetzt rund 577,6 Millimeter zu erwarten.
Damit sind heuer gerade einmal 47 Prozent der üblichen Niederschlagsmenge gefallen. Anders ausgedrückt: Es fehlen bereits rund 305 Millimeter bzw. Liter Wasser pro Quadratmeter.
„Ein derart großes Niederschlagsdefizit gab es in Pabneukirchen zum bisherigen Jahresverlauf seit Messbeginn noch nicht.“ so Peter Schuhbauer vom Onlineportal Strudengauwetter.
Ein ähnlich trockenes Jahr findet sich zuletzt 1971 in den Aufzeichnungen. Damals wurden im entsprechenden Vergleichszeitraum rund 296 Millimeter registriert. Allerdings lag der Schwerpunkt der Trockenheit damals vor allem in den Winter- und Frühjahrsmonaten.
2026 ist die Situation besonders problematisch, weil nun auch die normalerweise niederschlagsreicheren Sommermonate massiv auslassen.
Juli brachte gerade einmal 11,8 Millimeter
Besonders extrem war der Juli. Im gesamten Monat wurden in Pabneukirchen lediglich 11,8 Millimeter Niederschlag gemessen. Gewitter brachten zwar punktuell größere Regenmengen, diese waren jedoch räumlich extrem begrenzt.
Das zeigte sich auch zuletzt eindrucksvoll: Während durch nahezu ortsfeste Gewitter westlich von Unterweißenbach und im angrenzenden Waldviertel örtlich enorme Regenmengen zusammenkamen, blieben große Teile des Strudengaus nahezu trocken.
Genau darin liegt derzeit eines der größten Probleme. Ein Gewitter mit 30, 50 oder mehr Litern pro Quadratmeter an einem einzelnen Ort kann das großräumige Niederschlagsdefizit nicht ausgleichen. Wenige Kilometer entfernt fällt oftmals überhaupt kein Regen.
Die Landschaft zeigt bereits deutliche Dürreschäden
Mittlerweile braucht man keine Wetterstatistik mehr, um die außergewöhnliche Trockenheit zu erkennen. Ein Blick in die Landschaft genügt.
Viele Wiesen sind braun und ausgedörrt und erinnern farblich teilweise eher an abgeerntete Ackerflächen als an Grünland. Auch zahlreiche Laubbäume reagieren bereits auf den massiven Trockenstress. Blätter verfärben sich braun oder gelb und werden teilweise vorzeitig abgeworfen. Stellenweise entsteht dadurch mitten im August bereits ein Bild, das eher an den Oktober erinnert.
Dabei handelt es sich nicht um einen normalen frühen Herbstbeginn. Die Pflanzen versuchen durch das vorzeitige Abwerfen oder Verfärben der Blätter ihren Wasserverbrauch zu reduzieren.
Auch beim Mais ist der Trockenstress vielerorts deutlich sichtbar. Die Pflanzen rollen ihre Blätter ein, um die Verdunstungsfläche zu reduzieren. Bleibt der dringend benötigte Regen weiterhin aus, sind
entsprechende Auswirkungen auf Wachstum und Ertrag zu erwarten.
Bäche und Flüsse auf außergewöhnlich niedrigem Niveau
Besonders deutlich wird das Niederschlagsdefizit auch an unseren Gewässern. Zahlreiche kleinere Bäche führen nur noch sehr wenig Wasser, manche Abschnitte sind bereits vollständig ausgetrocknet.
Ein Beispiel dafür ist die Gusen bei Langenstein, wo Abschnitte aufgrund der anhaltenden Trockenheit zeitweise kaum mehr beziehungsweise kein Wasser führen.
Auch die niedrigen Grundwasserstände werden zunehmend zum Problem. Gerade bei privaten Brunnen und kleineren Wasserversorgungen kann eine länger anhaltende Trockenperiode zu Schwierigkeiten führen.
Landwirtschaft zunehmend unter Druck
Besonders kritisch ist die Situation für die Landwirtschaft. Grünlandflächen leiden massiv unter dem Wassermangel. Wo die Grasnarbe bereits stark vertrocknet ist, reicht ein einzelner kräftiger Regenguss nicht aus, um die Situation wieder zu normalisieren.
Selbst wenn jetzt mehrere Tage flächendeckender Landregen einsetzen würden, dürften sich stark geschädigte Wiesen nur langsam und teilweise für die heurige Vegetationsperiode kaum noch vollständig erholen.
Damit könnte die Trockenheit zunehmend auch zu einem Futterproblem für landwirtschaftliche Betriebe werden. Weitere Wochen ohne nennenswerten Niederschlag würden die Situation entsprechend verschärfen.
Hohe Wald- und Flurbrandgefahr
Ein weiteres Problem ist die derzeit hohe Wald- und Flurbrandgefahr. Ausgetrocknete Wiesen, Waldböden und Vegetation können sich wesentlich leichter entzünden. Mit jedem weiteren heißen und trockenen Tag nimmt die Gefahr weiter zu.
Besondere Vorsicht ist deshalb im Umgang mit offenem Feuer und anderen möglichen Zündquellen geboten.
Wettermodelle machen derzeit wenig Hoffnung
Und wie geht es weiter? Leider zeigen die aktuellen Modellberechnungen vorerst keine nachhaltige Entspannung.
Sowohl das europäische ECMWF-Modell als auch das amerikanische GFS-Modell berechnen nach aktuellem Stand bis zumindest etwa 25. August nur geringe Niederschlagsmengen für unsere Region.
- GFS
- ECMWF
Natürlich sind Prognosen über einen derart langen Zeitraum mit großen Unsicherheiten verbunden. Der derzeit erkennbare Trend ist allerdings ungünstig: Statt länger anhaltendem, flächendeckendem Landregen werden weiterhin eher lokale Gewitter und regional begrenzte Regenschauer gerechnet.
Genau diese Niederschlagsform hilft bei einem derart großen Defizit nur bedingt. Während ein Ort innerhalb kurzer Zeit große Regenmengen erhalten kann, bleibt es wenige Kilometer weiter vollkommen trocken.
Ein außergewöhnliches Wetterjahr
Nach den historischen Temperaturrekorden der vergangenen Tage entwickelt sich 2026 damit auch beim Niederschlag zu einem außergewöhnlichen Jahr.
272,6 Millimeter statt normalerweise 577,6 Millimeter – gerade einmal 47 Prozent des üblichen Niederschlags sind bisher gefallen. Wenn sich der trockene Witterungsverlauf auch in der zweiten Augusthälfte fortsetzt, dürfte sich die Lage in Landwirtschaft, Natur und bei den Gewässern weiter verschärfen.
Was unsere Region jetzt dringend benötigen würde, wären mehrere Tage mit ruhigem, flächendeckendem und ergiebigem Landregen. Genau dieser ist derzeit allerdings weiterhin nicht in Sicht.
Bericht & Wetterdaten: Strudengauwetter






























